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European Accessibility Act (EAA) ist in Kraft: So machst du WordPress-Websites jetzt barriereärmer
Amara Schmidt
Amara Schmidt 13. February 2026 · 16 Min. Lesezeit

European Accessibility Act (EAA) ist in Kraft: So machst du WordPress-Websites jetzt barriereärmer

Der European Accessibility Act (EAA) ist nicht mehr „irgendwann demnächst“. Er gilt – und zwar seit dem 28. Juni 2025. Für Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen für Verbraucher:innen in der EU anbieten, heißt das: Websites und digitale Services müssen zugänglich (barrierefrei) nutzbar sein.

Für WordPress ist das ein echter Wendepunkt. Egal ob du Websites betreibst, als Agentur auslieferst oder Plugins/Themes entwickelst: Sobald dein Angebot EU-User erreicht, geht es nicht mehr um die Frage ob du dich kümmern musst, sondern wie du Barrierefreiheit ab jetzt in Planung, Design, Entwicklung und Betrieb verankerst.

In diesem Beitrag bekommst du einen klaren Überblick über Zeitplan und Übergangsregeln, wie Durchsetzung typischerweise abläuft, welche Risiken bei Nicht-Compliance realistisch sind – und vor allem einen 5‑Schritte-Plan, mit dem du deine WordPress-Seite sofort in Richtung Barrierefreiheit bewegst.

Zeitplan, Übergangsfristen und was „Gnadenfrist“ wirklich bedeutet

Auch wenn die Stichtags-Diskussion vorbei ist: Der EAA funktioniert nicht wie ein Lichtschalter, der am 28. Juni 2025 für alle gleich umgelegt wurde. Stattdessen gibt es ein gestaffeltes Modell – mit unterschiedlichen Erwartungen an neue versus bestehende Angebote.

Neue Produkte & Services: Barrierefreiheit ab Tag 1

Alles, was nach dem 28. Juni 2025 neu an den Start geht, muss bei Launch barrierefrei sein.

  • Du launchst im Oktober einen neuen E‑Commerce‑Shop? Dann muss er die Anforderungen direkt erfüllen.
  • Du veröffentlichst im November ein neues WordPress-Plugin? Dann muss es „out of the box“ barrierearm nutzbar sein.

Für neue Angebote gibt es keine Übergangsfrist. Die Erwartung ist klar: Wenn du heute baust, baust du für alle. Das ist die entscheidende Verschiebung – Barrierefreiheit ist damit nicht mehr „Finale-Phase-Fix“, sondern Teil von Planung, Design und Development. Im WordPress-Alltag ist das künftig eine Baseline wie Security und Mobile Responsiveness.

Bestehende Services: Übergangszeit bis 28. Juni 2030 – aber ohne „Abwarten“-Bonus

Für Services, die vor dem 28. Juni 2025 bereits existiert haben, gibt es eine Übergangszeit: Vollständige Compliance wird spätestens zum 28. Juni 2030 erwartet.

Das wird oft als „Gnadenfrist“ interpretiert – praktisch ist es eher ein Zeitfenster für kontinuierliche, nachvollziehbare Verbesserungen. Drei Punkte sind dabei besonders wichtig:

  1. Warten bringt dich ins Hintertreffen. Barrierearme Websites erreichen mehr Nutzer:innen, performen oft besser in der Suche und stärken Vertrauen in die Marke. Wer bis kurz vor 2030 wartet, verschenkt diese Vorteile über Jahre.
  2. Beschwerden können jederzeit Verfahren auslösen. Wenn 2026 eine Person mit Behinderung eine Beschwerde einreicht, wartet die Behörde nicht bis 2030. Es wird geprüft – und man erwartet einen klaren Plan plus sichtbare Verbesserungen. Eine dokumentierte Roadmap, nachweisbarer Fortschritt und erkennbarer Wille zur Umsetzung sind dann deine beste Absicherung. Nichts zu tun ist das riskanteste Szenario.
  3. Größere Änderungen können die Uhr „zurücksetzen“. Die Übergangslogik gilt häufig nicht mehr, wenn du „substantial modifications“ (wesentliche Änderungen) an einem bestehenden Service machst. Was „wesentlich“ ist, kann im Einzelfall grau sein – aber ein kompletter Relaunch, ein großer Umbau deiner E‑Commerce-Plattform oder eine signifikante Funktionsänderung kann als „neuer“ Service gewertet werden. Dann müsstest du die Anforderungen sofort erfüllen – nicht erst 2030.
Illustration zur EAA-Timeline und Übergangsphase
Die Übergangsfrist bis 2030 ist die späteste Zielmarke – nicht der Startschuss. — Forrás: Elementor

Unterm Strich: 2030 ist das späteste Ende – nicht der geeignete Zeitpunkt, um erst anzufangen. Erwartet wird „good faith progress“: fortlaufende, ernsthafte Verbesserung ab jetzt.

Was passiert, wenn du nicht konform bist?

Der EAA ist in Kraft – und Ignorieren kann spürbare Folgen haben. Die konkrete Durchsetzung unterscheidet sich je EU-Mitgliedsstaat, aber das Muster ist meist ähnlich: kein „Barrierefreiheits-Trupp“ an der Tür, sondern ein strukturiertes, oft verbrauchergetriebenes Verfahren, das Unternehmen Richtung Compliance bewegen soll.

Wie Nicht-Compliance auffällt

Grafik zu Meldemechanismen: Beschwerden und Marktüberwachung
Typische Trigger: Beschwerden von Nutzer:innen oder proaktive Marktüberwachung. — Forrás: Elementor

Im Kern gibt es zwei Wege, wie deine Website in den Fokus geraten kann:

  1. Beschwerden von Verbraucher:innen: Der häufigste Auslöser ist eine Person mit Behinderung, die z. B. nicht einkaufen kann, ein Formular nicht bedienen kann oder relevante Infos nicht erreichen kann. Der EAA schafft dafür einen klaren rechtlichen Weg zur Beschwerde bei der zuständigen nationalen Stelle.
  2. Marktüberwachung (Market Surveillance): Behörden führen auch proaktive Prüfungen durch – besonders in Bereichen mit großem Impact wie E‑Commerce, Banking oder Reise/Travel. Deine Website kann bei solchen Routine-Checks auffallen.

Wie die Durchsetzung typischerweise abläuft

In der Regel bekommst du nicht sofort eine hohe Strafe zugeschickt. Das Ziel ist Barrierefreiheit herzustellen – nicht reflexhaft zu bestrafen. Wenn deine Website auffällt, läuft es meist stufenweise:

  1. Hinweis auf Nicht-Compliance (Notice of non-compliance): Üblicherweise startet es mit einer formalen Warnung. Die zuständige nationale Behörde beschreibt konkret, welche Barrieren gefunden wurden, und welche Teile des EAA dadurch verletzt werden.
  2. Frist zur Behebung (Deadline to fix): Mit der Warnung kommt eine angemessene, meist deutlich kürzere Frist zur Nachbesserung. Das ist nicht die Übergangszeit bis 2030, sondern ein konkretes Zeitfenster, dessen Länge je nach Komplexität variiert.
  3. Eskalation: Wenn du die Warnung ignorierst und innerhalb der gesetzten Frist nicht nachbesserst, greifen Sanktionen.

Mögliche Sanktionen

Der EAA verlangt, dass Sanktionen „effective, proportionate, and dissuasive“ sind – also wirksam, verhältnismäßig und abschreckend. In der Praxis kann das bedeuten:

  • Substanzielle Bußgelder: Häufigste Maßnahme. Je nach Land reicht das von einigen Tausend Euro bis hin zu einem Prozentsatz des Jahresumsatzes. Für kleine Unternehmen kann selbst ein „kleines“ Bußgeld schmerzhaft sein, für große Player kann es richtig teuer werden.
  • Service-Verbote oder Einschränkungen: In schweren Fällen kann angeordnet werden, den Service im jeweiligen Land nicht mehr anzubieten, bis Compliance hergestellt ist. Für Online-Business ist ein Block in einem EU-Land ein massiver Einschnitt.
  • Rückzug von Produkten vom Markt: Verkaufst du ein digitales Produkt (z. B. ein WordPress-Plugin) und es wird als nicht konform eingestuft, kann es passieren, dass du es zurückziehen musst.
  • Persönliche und strafrechtliche Verantwortung: In manchen Mitgliedsstaaten und bei wiederholten oder besonders schweren Verstößen kann es auch Konsequenzen für Geschäftsleiter:innen geben. Das ist selten, zeigt aber, wie ernst das Thema behandelt wird.
Illustration zu Folgen und Eskalation bei Nicht-Compliance
Je länger man Warnungen ignoriert, desto wahrscheinlicher wird die Eskalation. — Forrás: Elementor

Neben dem Rechtlichen: Reputationsschäden

Bußgelder sind nur eine Seite. Mindestens genauso unangenehm kann der Reputationsschaden sein: öffentlich als „nicht zugänglich“ zu gelten, zerstört Vertrauen – und das wirkt oft länger nach als eine technische Nachbesserung. In vielen Märkten ist Ausschluss nicht nur Non-Compliance, sondern schlicht schlechtes Business.

Warum WordPress-Owner, Agenturen und Plugin-/Theme-Teams jetzt handeln müssen

Der EAA ist breit formuliert, trifft aber das WordPress-Ökosystem sehr konkret: Websites, Themes, Plugins, Checkout-Flows, Formulare, Popups – alles, was Nutzer:innen auf dem Weg zur Conversion oder zur Information berühren, zählt.

Für WordPress-Website-Betreiber:innen

Wenn deine Website EU-User bedient oder adressiert, ist Compliance nicht mehr optional – egal ob du Produkte verkaufst, Services anbietest oder Inhalte mit EU-Zielgruppe publizierst.

  • Du bist verantwortlich: Sanktionen richten sich gegen dein Unternehmen – nicht gegen die Tools, die du verwendest.
  • Jeder Touchpoint zählt: Es geht nicht nur um die Startseite. Barrierefreiheit muss entlang der gesamten Journey funktionieren: Produktseiten, Kontaktformulare, Checkout, Support-Bereiche etc.
  • Third-Party-Tools zählen mit: Booking-Plugin, WooCommerce-Extension, Form Builder – du bist mitverantwortlich, dass diese Bausteine keine Barrieren erzeugen. Themes und Plugins müssen bewusst ausgewählt werden.

Barrierefreiheit ist damit ein Business-Requirement – kein Feature, das man „abwählen“ kann.

Für Agenturen und Freelancer

Als Webprofi lieferst du heute nicht nur „schön und funktional“, sondern idealerweise auch compliant. Das ist Verantwortung – und gleichzeitig eine Chance.

  • Schütze deine Kund:innen: Viele Auftraggeber kennen die Details des EAA und die technischen Anforderungen nicht. Aufklärung plus barrierearme Umsetzung schützt Business und deinen Ruf.
  • Differenzierung im Markt: Nachweisbare Accessibility-Expertise wird bei Ausschreibungen und Pitches immer öfter zum Entscheidungsfaktor.
  • Workflow anpassen: Accessibility gehört in Design, Development und QA – von Theme-Auswahl über Plugin-Vetting bis Testing.

Praktisch heißt das: Barrierefreiheit wird Teil deiner Delivery-Definition, nicht ein „Nice to have“.

Für Plugin- und Theme-Entwickler:innen

Themes und Plugins sind ein zentraler Hebel für Compliance. Was du auslieferst, kann Websites barrierearm machen – oder sie blockieren.

  • Teil der Compliance-Kette: Gibt dein Plugin z. B. unlabeled Form Fields oder nicht keyboard-bedienbare Slider aus, erzeugst du Risiko für alle Nutzer:innen deines Produkts.
  • Nachfrage verschiebt sich: Agenturen und Owner suchen aktiv nach „accessibility-ready“ Tools. Dokumentierte Konformität (z. B. per Accessibility Conformance Report) wird zunehmend ein Verkaufsargument.
  • Risiko, ersetzt zu werden: Produkte, die Compliance verhindern, werden mittelfristig ausgetauscht. Accessibility ist nicht nur Best Practice, sondern entscheidend für langfristige Adoption.

Für Entwickler:innen im WordPress-Umfeld ist der EAA keine Last, sondern eine Marktchance. Wer Barrierefreiheit in den Kern seiner Produkte einbaut, ist nicht nur compliant, sondern wird zur Default-Wahl für eine neue Generation von Buildern, für die Inklusion nicht verhandelbar ist.

Itamar Haim

5 praktische Schritte, die du als WordPress-Site-Owner sofort umsetzen kannst

„Wir müssen was tun“ ist leicht gesagt – aber was heißt das konkret im Alltag? Mit einem strukturierten Vorgehen kannst du schnell spürbare Verbesserungen erzielen. Hier sind fünf Schritte, die du jetzt starten solltest.

Illustration zu einem 5-Schritte-Plan für Barrierefreiheit in WordPress
Mit Audit, Quick Wins und Prozess kommst du aus dem Reaktionsmodus raus. — Forrás: Elementor

Schritt 1: Website auditieren (automatisiert + manuell)

Du kannst nur fixen, was du siehst. Ein gutes Accessibility-Audit kombiniert automatische Scans mit manuellen Checks.

  • Automatisierte Scans: Tools finden typische, codebasierte Probleme schnell und flächig: zu geringer Farbkontrast, fehlende Alt-Texte, Formfelder ohne Labels etc. Für WordPress kann ein Tool wie der Accessibility Assistant von Ally (Integration ins Workflow) helfen: Es scannt Seiten gegen WCAG 2.1 AA (das technische Zielniveau, das im EAA-Kontext als Benchmark dient) und liefert einen klaren Report.
  • Manuelles Testing: Automation erkennt nicht, ob die Nutzung „sinnvoll“ ist. Dafür brauchst du manuelle Tests. Eine einfache Einstiegs-Checkliste:
  • Keyboard-Navigation: Kommst du mit Tab durch die komplette Seite? Erreichst du jeden Link, Button und jedes Formfeld? Ist der Fokus sichtbar, sodass du immer weißt, wo du bist?
  • Screenreader-Test: Nutze einen Screenreader wie NVDA (Windows), VoiceOver (macOS) oder TalkBack (Android). Ergibt die Reihenfolge vorgelesener Inhalte Sinn? Sind Bilder sinnvoll beschrieben? Sind Links und Buttons eindeutig benannt?
  • Content-Check: Ist die Überschriften-Hierarchie logisch (H1, dann H2, dann H3)? Sind Linktexte aussagekräftig (z. B. „Vollständigen Accessibility-Report lesen“ statt „Hier klicken“)? Ist die Sprache möglichst klar und einfach?

Das Ergebnis dieses Schritts sollte eine priorisierte To-do-Liste sein – nicht ein diffuses „müssten wir mal“.

Schritt 2: High-Impact-Probleme zuerst beheben

Du musst nicht alles auf einmal lösen. Starte mit den Punkten, die die Nutzbarkeit am stärksten beeinflussen – dort bekommst du die größten Effekte mit relativ wenig Aufwand.

Typische High-Impact-Baustellen:

  • Fehlende Alt-Texte bei informativen Bildern: Vermittelt ein Bild Inhalt, braucht es eine aussagekräftige Alternative für Screenreader. Das ist eine der einfachsten und wichtigsten Verbesserungen.
  • Zu geringer Farbkontrast: Schwer lesbarer Text ist eine echte Hürde bei Sehbeeinträchtigungen. Nutze einen Online-Contrast-Checker und stelle mindestens 4,5:1 Kontrastverhältnis sicher.
  • Nichtssagende Linktexte: Ersetze „Hier klicken“, „Mehr erfahren“ oder „Weiterlesen“ durch Linktexte, die das Ziel beschreiben.
  • Fehlende Formular-Labels: Jedes Feld in Kontakt-, Login- und Checkout-Formularen braucht ein korrekt zugeordnetes Label – essenziell für Screenreader-Nutzung.
  • Keyboard-Bedienbarkeit sicherstellen: Jedes interaktive Element muss per Tastatur erreichbar und bedienbar sein.

Diese Quick Wins helfen sofort vielen Nutzer:innen – und reduzieren gleichzeitig das Risiko, dass zentrale Journeys wie Kontakt oder Checkout blockieren.

Schritt 3: Accessibility Statement veröffentlichen

Ein Accessibility Statement ist eine öffentlich sichtbare Erklärung, dass du Barrierefreiheit ernst nimmst – und es ist im EAA-Kontext ein wichtiges (und gefordertes) Element. Platziere es gut auffindbar, typischerweise im Footer.

Inhaltlich sollte es mindestens enthalten:

  • Dein Commitment zu Barrierefreiheit.
  • Den Zielstandard, an dem du dich orientierst (z. B. WCAG 2.1 Level AA).
  • Bekannte Barrieren/Issues, an denen du aktuell arbeitest.
  • Kontaktmöglichkeit, um Barrieren zu melden.

Das Statement erfüllt zwei Funktionen: Es zeigt Transparenz und „good faith“ gegenüber Nutzer:innen und Behörden – und es schafft einen Feedbackkanal, über den echte Barrieren aus der Praxis bei dir landen.

Schritt 4: Themes und Plugins kritisch prüfen

In WordPress definieren Theme und Plugins große Teile der UX – und damit der Barrierefreiheit.

  • Themes: Idealer Startpunkt ist ein „accessibility-ready“ Theme mit sauberem, semantischem HTML, korrekter Heading-Hierarchie und solider Keyboard-Navigation. Wenn dein aktuelles Theme gravierende Probleme hat, kann ein Wechsel sinnvoll sein.
  • Neue Plugins: Vor der Installation: Dokumentation nach Accessibility-Hinweisen checken, notfalls beim Hersteller nach WCAG-Commitment fragen. Vorsicht bei Plugins, die stark auf rein visuelle Interaktionen setzen (z. B. Slider oder Popups, die nicht per Tastatur bedienbar sind).
  • Bestehende Plugins: Prüfe, ob installierte Plugins Barrieren erzeugen. Klassiker: Social-Sharing-Buttons ohne Tastaturfokus, Form Builder mit nicht gelabelten Feldern, interaktive Elemente ohne sinnvolle Beschriftung.

Kurz: Du musst WordPress-Tools als „Compliance-relevante Lieferkette“ betrachten. Die Auswahl entscheidet mit darüber, ob deine Website dauerhaft barrierearm bleibt.

Schritt 5: Kontinuierlich überwachen (Accessibility als Prozess)

Barrierefreiheit ist kein Projekt, das man abhakt. Jede neue Seite, jedes Plugin-Update, jeder neue Blogpost kann neue Probleme einschleppen. Deshalb brauchst du Routine statt Feuerwehrmodus.

Das gehört in einen nachhaltigen Wartungsprozess:

  • Content-Checklisten: Für alle, die Inhalte veröffentlichen: Hat jedes Bild Alt-Text? Stimmen Überschriften-Strukturen? Sind Links beschreibend?
  • Regelmäßige Scans: Plane automatische Scans z. B. monatlich oder quartalsweise, um neue Issues früh zu finden.
  • User-seitige Tools bereitstellen: Ein Frontend-Usability-Widget kann Nutzer:innen Kontrolle geben (Textgröße, Kontrast, Link-Highlighting). Das verbessert die Experience und macht dein Commitment sichtbar.

Wenn Barrierefreiheit Teil deiner Standardpflege ist, arbeitest du proaktiv: weniger Regressionen, weniger Risiko, bessere UX.

Fazit: Compliance ist jetzt – und sie lohnt sich über das Rechtliche hinaus

Die Phase „wir bereiten uns vor“ ist vorbei. Der EAA beeinflusst heute, wie WordPress-Websites gebaut, betrieben und erweitert werden. Der Fokus liegt nicht auf hypothetischen Strafen oder fernen Deadlines, sondern auf konkreten nächsten Schritten: Audit starten, zentrale Barrieren beheben, Accessibility Statement veröffentlichen und Accessibility in den Alltag integrieren.

Ja, der rechtliche Druck ist real. Aber der Hebel ist größer: Barrierearme Websites erreichen mehr Menschen, liefern bessere Nutzungserlebnisse, wirken sich positiv auf Auffindbarkeit aus und stärken Markenvertrauen. Inklusion ist nicht nur richtig – sie ist wirtschaftlich sinnvoll.

Key Takeaways

  • EAA ist in Kraft: Seit dem 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit für Websites/Services mit EU-Verbraucherbezug verpflichtend.
  • Sofort vs. gestaffelt: Neue Services müssen bei Launch konform sein; bestehende haben bis 2030, müssen aber Fortschritt zeigen.
  • Durchsetzung ist real: Erst Warnungen, dann Fristen – bei Ignorieren drohen Bußgelder, Einschränkungen oder Produkt-Rückzüge.
  • Geteilte Verantwortung: Site Owner, Agenturen sowie Plugin-/Theme-Teams sind alle Teil der Compliance-Kette.
  • Es gibt klare Maßnahmen: Auditieren, High-Impact-Issues fixen, Statement veröffentlichen, Tools prüfen, kontinuierlich überwachen.
  • Accessibility ist ein Vorteil: Mehr Reichweite, bessere Usability, SEO-Effekte und stärkeres Vertrauen in die Marke.

FAQ zum EAA und WordPress

1. Gilt der EAA für meinen kleinen Business-Blog, wenn ich nichts verkaufe?

Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Der EAA adressiert Produkte und Dienstleistungen, die Verbraucher:innen in der EU angeboten werden. Ist dein Blog reines Hobby ohne Service-Angebot, liegt er wahrscheinlich außerhalb. Ist der Blog aber Teil deines Business (z. B. du bist Consultant und nutzt den Blog als Marketingkanal) und du bedienst oder targetierst EU-Kundschaft, dann fällt er typischerweise in den Anwendungsbereich. Entscheidend ist der kommerzielle Charakter.

2. Was ist der Unterschied zwischen EAA und WCAG?

Der EAA ist das Gesetz. WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) ist der technische Standard, mit dem du die Anforderungen praktisch erfüllst. Der EAA schreibt vor, dass Websites/Services zugänglich sein müssen, und verweist dafür auf technische Benchmarks wie WCAG 2.1 Level AA. Um EAA-konform zu sein, orientierst du dich an WCAG.

3. Kann ein einzelnes Plugin meine komplette WordPress-Website zu 100% compliant machen?

Nein – und bei solchen Versprechen solltest du sehr vorsichtig sein. Vollständige Compliance ist eine Mischung aus Technik, Content und Design. Ein Plugin kann extrem hilfreich sein (Scans, Fix-Hinweise, Accessibility Statement, userseitige Tools), aber Automatisierung löst nicht alles. Ein Tool erkennt z. B. fehlenden Alt-Text, aber nicht, ob dein Alt-Text wirklich passend und hilfreich ist. Du brauchst Tools und menschliche Prüfung.

4. Ich bin ein US-Unternehmen ohne Niederlassung in der EU. Gilt der EAA trotzdem?

Ja, wenn du Produkte oder Services an Verbraucher:innen in der EU anbietest. Maßgeblich ist der Standort der Konsument:innen – nicht der Sitz deines Unternehmens. Wenn EU-Residents kaufen, abonnieren oder eine App herunterladen können, wird erwartet, dass du die Anforderungen erfüllst.

5. Was kostet es, meine WordPress-Seite barrierearm zu machen?

Das variiert stark: Größe und Komplexität der Website, der Ist-Zustand und dein Vorgehen spielen rein. Bei einer kleinen, einfachen Seite können es vor allem Lernzeit und gezielte Fixes sein. Bei großen E‑Commerce‑Setups mit viel Legacy-Content wird es aufwändiger. In der Regel ist es günstiger, in gute Tools zu investieren und Accessibility von Anfang an in den Workflow zu integrieren, als später eine große Remediation oder gar ein Bußgeld zu riskieren.

6. Mein Scanner sagt „100% compliant“. Bin ich damit safe?

Nicht zwingend. Automatisierte Scanner sind wichtig, erkennen aber nur einen Teil möglicher Probleme (oft grob 30–40%). Sie finden technische Code-Probleme, aber keine menschlichen Usability-Fragen: Ist die Tastatur-Reihenfolge logisch? Ist Content verständlich? Ist Alt-Text wirklich hilfreich? Für ein realistisches Bild brauchst du automatisierte Checks plus manuelle Tests.

7. Was ist ein Accessibility Statement – brauche ich das wirklich?

Ein Accessibility Statement ist eine öffentliche Seite, auf der du Policy und Commitment zu Barrierefreiheit erklärst. Ja, du brauchst es: Es ist im EAA-Kontext eine konkrete Anforderung. Nenne dein Zielniveau (z. B. WCAG 2.1 AA), liste bekannte Issues und gib Kontaktinformationen an. Das zeigt Transparenz und ernsthafte Bemühung.

8. Mein Theme ist „accessibility-ready“. Reicht das?

Es ist ein sehr guter Start, aber nicht die ganze Geschichte. Ein accessibility-ready Theme liefert eine solide Basis (sauberer Code, sinnvolle Heading-Strukturen, Keyboard-Support). Die Gesamt-Accessibility hängt aber genauso von deinen Inhalten, Plugins und Customizations ab. Das Theme ist der erste Schritt – die Verantwortung bleibt trotzdem bei dir.

9. Wie oft sollte ich ein Accessibility-Audit machen?

Weil Accessibility ein Dauerprozess ist, ergibt ein umfassendes Audit etwa alle 12–18 Monate Sinn – oder nach großen Relaunches. Zusätzlich solltest du kleinere, regelmäßige Checks in den Workflow integrieren: z. B. automatischer Scan pro Quartal und ein kurzer Tastatur-Check nach größeren Plugin-Updates oder wichtigen Content-Ergänzungen.

10. Wo finde ich gute Ressourcen, um mehr über Web-Accessibility zu lernen?

Die WCAG-Dokumente des W3C sind die maßgebliche Referenz, aber recht technisch. Nutzerfreundlichere Einstiege bieten Organisationen wie die Web Accessibility Initiative (WAI) oder WebAIM (mit Artikeln und Checklisten) sowie Blogs von Accessibility-Expert:innen. Auch Anbieter von Accessibility-Tools – inklusive Elementor mit Ally-Ressourcen – veröffentlichen Lernmaterial, das dich beim Einstieg unterstützt.

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