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Elementor One: Wenn der Page Builder zur Plattform wird – und warum das WordPress-Nutzer teuer zu stehen kommen kann
Patai László
Patai László 22. January 2026 · 9 Min. Lesezeit

Elementor One: Wenn der Page Builder zur Plattform wird – und warum das WordPress-Nutzer teuer zu stehen kommen kann

Elementor feiert „10 Jahre Innovation“ – und nutzt den Moment, um einen großen Strategiewechsel offiziell zu machen: Elementor One ist nicht einfach ein neues Plugin-Bundle, sondern der Versuch, aus einem WordPress-Page-Builder eine Abo-getriebene Plattform zu formen. Design, AI, Performance-Tools, E-Mail-Zustellung, Bildoptimierung, Accessibility-Scans, Hosting und künftig sogar ein zentrales Multi-Site-Management: alles in einem Plan, alles in einem Menü, alles unter einem Dach.

Das kann man als Komfortgewinn verkaufen. Aus Sicht vieler WordPress-Teams ist es aber vor allem ein alarmierendes Signal: Der Wert verschiebt sich weg von WordPress-Features hin zu einer proprietären Produkt-Suite – inklusive Monetarisierungsmechanik (Credits), steigender Abhängigkeit und neuen Datenschutzrisiken.

Hero-Grafik zu Elementor One: ein Abo für Erstellung, Optimierung und Management
/ Quelle: Elementor Blog — Forrás: Elementor.com

Was Elementor One laut Ankündigung eigentlich ist (und warum das mehr als ein Page-Builder-Update ist)

Elementor beschreibt Elementor One als „umfassendstes und wertvollstes Abo“ und als Ergebnis eines Jahrzehnts Produktentwicklung. Der zentrale Pitch: ein einzelnes Subscription-Modell, das „jeden essenziellen Baustein“ abdeckt – von Design über AI bis Performance und Management – und deinen gesamten Workflow „antreibt“.

Der Knackpunkt: Das ist ein komplett anderer Anspruch als „wir sind ein Page Builder für WordPress“. Hier wird eine Full-Stack-Web-Creation-Plattform positioniert – inklusive Infrastruktur. Genau an dieser Stelle kippt die Diskussion von „Plugin-Wahl“ zu „Plattform-Entscheidung“.

Der Weg dorthin: Meilensteine, die den Plattform-Shift erklären

Elementor ordnet Elementor One in eine Produktgeschichte ein, die nachvollziehbar zeigt, wie sich der Fokus verschoben hat – weg vom Editor als Werkzeug, hin zu einem Paket aus Services und Infrastruktur:

  • 2016: Drag & drop Editor – Live-Drag-&-Drop-Editor für pixelgenaue Websites mit erweiterten Design-Funktionen.
  • 2018: Theme Builder – System für Header, Footer und dynamische Templates über die gesamte Website.
  • 2019: Hello Elementor Theme – minimalistisches, leichtgewichtiges Theme-Framework als schnelle Blanko-Leinwand.
  • 2022: Cloud hosting – performantes, auto-skalierendes Cloud-Hosting für WordPress.
  • 2023: Elementor AI – nativer Assistent, der direkt im Editor Code, Layouts und Bilder generiert.
  • 2024: Image optimization – Bildkompression für schnellere Seiten ohne Design-Kompromisse.
  • 2024: Site mailer – Tools für zuverlässige Zustellbarkeit, damit transaktionale E-Mails im Posteingang ankommen.
  • 2025: Accessibility – Scanning- und Remediation-Tools für inklusivere, „standardmäßig“ konforme Websites.
  • 2025: Site planner – AI-Tool, das auf Basis von Business-Zielen in Minuten Wireframes erstellt.

Die Botschaft ist klar: Elementor will nicht mehr nur „Seiten bauen“, sondern den gesamten Betrieb abdecken – inklusive Themen, die traditionell in WordPress über austauschbare Plugins und Hostings gelöst werden.

Ten years ago, we were a page builder. Today, we are the standard for professional creation on WordPress. Only the leading brand in the ecosystem can make a move this bold — consolidating an entire infrastructure into a single, unified experience. Elementor is 10, but this is just the beginning.

Yoni Luksenberg, CEO of Elementor
Visual zu Elementor One: Plattform-Gedanke und Bündelung von Funktionen
/ Quelle: Elementor Blog — Forrás: Elementor.com

Vom Page Builder zur SaaS-Plattform: Was hier eigentlich passiert

Hosting, E-Mail-Deliverability, Bildoptimierung, AI, Accessibility-Scanning, zentrale Verwaltungs- und Update-Hubs – das sind klassische Plattform- und Service-Themen, keine Page-Builder-Kernfeatures. Natürlich kann man argumentieren, dass Web-Projekte genau diese Dinge brauchen. Aber in WordPress war die Stärke bisher: du entscheidest frei, welche Bausteine du von wem nutzt.

Mit Elementor One wird das Gegenteil zur Produktlogik: alles aus einer Hand, alles im Elementor-Menü, alles im Abo. Das ist nicht „nur praktisch“, das ist ein strategischer Shift: Weg vom offenen Ökosystem hin zu einem Anbieter, der möglichst viele Wertschöpfungspunkte selbst kontrolliert.

„Shared pool of credits“: Monetarisierung per Credits statt per Feature – ein bekanntes SaaS-Muster

Elementor bewirbt Elementor One u. a. mit einem „shared pool of credits“: ein gemeinsamer Credit-Vorrat, den du „flexibel“ über verschiedene Elementor-Fähigkeiten verteilen kannst – je nachdem, wo du ihn gerade brauchst.

Das klingt nach Effizienz, ist aber aus SaaS-Sicht ein sehr typischer Mechanismus: Du kaufst kein klar abgegrenztes Feature-Set mehr, sondern Verbrauchseinheiten. Damit wird die Kalkulation (und damit der Preis-Schmerz) zu einem laufenden Thema – und nicht zu einer einmaligen Produktentscheidung.

In der Praxis bedeutet das häufig:

  • Dein Paket wirkt am Anfang „vollständig“, aber Nutzungsspitzen werden schnell zu Zusatzkosten oder Upsells.
  • „Innovation ohne Aufpreis“ wird relativ: Neue Features können zwar enthalten sein, aber an Credits gekoppelt werden – und damit faktisch trotzdem Kosten treiben.
  • Die Produktentwicklung optimiert eher auf Wachstum pro Kunde (ARPU) als auf „stabile, planbare Funktionalität“.

Das ist nicht per se illegal oder ungewöhnlich – aber es ist eine andere Beziehung zwischen Nutzer und Tool: weniger „Software“, mehr „laufender Verbrauch“.

„One menu, zero friction“: Bequemlichkeit als Abhängigkeitstreiber

Ein zentrales Element in der Ankündigung ist die Konsolidierung in ein einziges Menü im WordPress-Dashboard sowie ein neuer Home-Screen, der Erstellung, Performance-Optimierung und Site-Management zusammenzieht.

Das ist UX-technisch nachvollziehbar – aber es verstärkt auch den Plattform-Effekt: Je mehr du nicht nur designst, sondern auch optimierst, mailst, planst und verwaltest, desto mehr wird Elementor zur Schaltzentrale deiner WordPress-Installation. Der Exit wird nicht nur ein Theme-/Builder-Wechsel, sondern ein kompletter Austausch von Betriebsprozessen.

WordPress.com als Blaupause? Hosting + Builder + Management ist ein sehr klares Signal

Elementor kombiniert (bzw. bündelt) Hosting für WordPress und WooCommerce, Builder, AI, Optimierung und Management unter einem Abo. Das Ergebnis wirkt konzeptionell sehr nah an WordPress.com: ein integriertes Angebot, das möglichst viele Entscheidungen „für dich“ trifft.

Die unbequeme Frage dahinter: Bleibt Elementor langfristig ein WordPress-Produkt – oder wird WordPress nur noch der technische Unterbau für eine proprietäre Plattform-Erfahrung? Die Ankündigung formuliert stark in Richtung „complete infrastructure“ und „unified experience“. Für das Ökosystem ist das eine riskante Dynamik, weil sich Macht und Kontrolle weg von austauschbaren Komponenten hin zu einem Anbieter verschiebt.

Vendor Lock-in: Wenn Hosting, E-Mail, AI und Management am selben Haken hängen

Sobald du nicht nur den Editor nutzt, sondern auch Elementor Hosting, Site Mailer, AI-Funktionen (mit Credits) und künftig Multi-Site-„Manage“, entsteht ein klassischer Vendor-Lock-in:

  • Der technische Wechselaufwand steigt: Daten, Konfigurationen, Abläufe und Dashboards hängen an Elementor.
  • Der organisatorische Wechselaufwand steigt: Team-Schulungen, Prozesse, Kunden-Doku – alles ist auf „Elementor One“ optimiert.
  • Der wirtschaftliche Wechselaufwand steigt: Credits, Bundles und Bündelpreise machen Kosten schwer vergleichbar, Kündigung wird risikoreicher.
  • Die Verhandlungsmacht kippt: Wenn ein Anbieter mehrere kritische Schichten kontrolliert, sind Preissprünge oder Produktänderungen schwieriger abzufedern.

Das ist genau das Muster, das man aus SaaS-Plattformen kennt. In einem Open-Source-Ökosystem wie WordPress ist es aber besonders heikel, weil es die Austauschbarkeit – einen Kernvorteil – schleichend entwertet.

„Euer aktuelles Abo bleibt unverändert“ – die wichtigste Aussage, die trotzdem keine Sicherheit gibt

Elementor schreibt, bestehende Nutzer müssten sich keine Sorgen machen: „Your current subscription won’t be impacted. You can continue using your plan exactly as it is.“ Gleichzeitig wird aber klar, wohin Entwicklung und Marketing ziehen: Elementor One ist das neue Leitprodukt.

Das Problem ist weniger die Aussage an sich, sondern die fehlende Haltbarkeit: Wie lange bleibt das so, wenn ein Anbieter seine „gesamte Experience“ und zukünftige Innovationen auf ein neues Unified-Abo ausrichtet? Selbst ohne harte Abkündigungen entsteht oft ein „Soft Pressure“: neue Funktionen, neue Integrationen, neue Workflows – alles zuerst (oder nur) im neuen Paket.

„Coming soon“: Cookie Consent, „Manage“, mehr AI – und Editor V4 als nächster großer Umbruch

Elementor kündigt mehrere kommende Bausteine an, die Elementor One zusätzlich aufwerten sollen:

  • Cookie Consent – eine Privacy-Lösung, die User-Consent ohne externe Scripts managen soll.
  • Manage – ein zentraler Hub, um Website-Performance zu überwachen und Bulk-Updates über mehrere Sites aus einem Dashboard auszuführen.
  • AI im Editor – AI-gestützte Widget-Erstellung per natürlicher Sprache, um Custom Widgets zu bauen.
  • Native AI Layer for WordPress – eine generative Infrastruktur, die komplette Komponenten und Landing Pages erstellen und die Website „nativ“ verwalten soll.
  • Editor V4: the Atomic Editor – ein komplett neu gedachter Editor auf einem professionellen „CSS-first framework“ mit Atomic Components (modular, leichtgewichtig, Performance/sauberer Code), plus globale Classes und Variablen für skalierbare Design-Systeme.
Visual zu zukünftigen Elementor-One-Funktionen wie Cookie Consent und Manage
/ Quelle: Elementor Blog — Forrás: Elementor.com

In Summe sind das keine „nice-to-have“-Widgets, sondern Grundpfeiler einer Plattform: Consent, Management, AI-Layer, ein neuer Editor-Stack. Genau dadurch wird Elementor One der Default-Pfad – und klassische WordPress-Entscheidungsfreiheit (Hoster wechseln, Mail-Setup austauschen, Optimizer ersetzen) wird sekundär.

Datenschutz-Alarmsignal: Mixpanel-Tracking angeblich nicht mehr deaktivierbar (Elementor 3.34.2)

Besonders brisant – und in dieser Diskussion nicht wegzuwischen – ist ein konkreter Vorwurf aus dem WordPress.org-Supportforum: Seit Elementor 3.34.2 soll Mixpanel-Tracking faktisch nicht mehr deaktivierbar sein. Selbst wenn Nutzer explizit das Data-Sharing mit Elementor abwählen, soll das Plugin laut Bericht weiterhin Cookies setzen und Besucher- sowie Admin-Aktivitäten tracken.

Wenn sich das so verhält, ist das nicht „unschön“, sondern ein ernstes Compliance-Thema: Ein Opt-out, das ignoriert wird, ist aus DSGVO-Perspektive hochriskant – insbesondere für Betreiber in der EU, die sich auf Plugin-Einstellungen verlassen. Quelle des Berichts: Mixpanel cookies set even when data sharing is off (3.34.2) – GDPR Issue.

Warum das im Kontext von Elementor One noch kritischer wird

Je mehr Elementor zur Plattform für Hosting, AI, Mail und Management wird, desto mehr Daten laufen durch einen Anbieter. Wenn dann schon bei Telemetrie/Tracking das Vertrauen leidet, wird die Abhängigkeit nicht nur technisch und finanziell – sondern auch rechtlich problematisch.

„Built for the bold“ – oder built for investors?

Elementor rahmt das Ganze als nächste Evolutionsstufe: früher Seiten bauen, heute Businesses bauen. Gleichzeitig passt das neue Modell auffällig gut zu dem, was Investoren bei SaaS lieben: Plan-Bundles, kontinuierliche Upsells, wiederkehrende Umsätze, Credits als Verbrauchseinheit, starke Bindung über Infrastruktur.

Die Kernfrage ist deshalb nicht, ob Elementor One „viel kann“. Die Kernfrage ist: Wem dient diese Richtung primär? Dem WordPress-Nutzer, der transparente, austauschbare Bausteine will – oder einem Plattformanbieter, der die Wertschöpfung (und damit die Marge) kontrollieren möchte?

Pragmatischer Blick für Teams: Was du jetzt nüchtern prüfen solltest

Wenn du Elementor in Kundenprojekten einsetzt oder selbst darauf setzt, ist Elementor One ein Anlass, ein paar Dinge sauber zu evaluieren – bevor du unbewusst in eine Plattform-Entscheidung rutschst:

  • Scope klären: Nutzt du wirklich Hosting, Mailer, Optimizer, AI und Accessibility aus einer Hand – oder ist das nur Marketing-Bündelung?
  • Exit-Strategie definieren: Wie migrierst du weg, wenn Editor/Hosting/Mailer/AI gekoppelt sind? Wer macht das, wie lange dauert es, was kostet es?
  • Kostenlogik verstehen: Welche Funktionen hängen an Credits, wie planbar ist das bei deinem Nutzungsprofil?
  • Datenschutz prüfen: Welche Tracker laufen, welche Opt-outs funktionieren zuverlässig, welche Drittanbieter sind involviert? (Gerade in der EU kein Nebenthema.)
  • Roadmap-Risiko abwägen: Wenn „Innovation“ primär in Elementor One landet – was bedeutet das für Bestands-Pläne mittelfristig?

Fazit: Elementor One ist kein „einfaches neues Abo“, sondern ein Richtungswechsel im WordPress-Ökosystem

Elementor One bündelt alles, was man für den Betrieb moderner Websites braucht – und genau das ist der Punkt: Elementor positioniert sich als Plattform, nicht mehr als austauschbares WordPress-Tool.

Für WordPress-Teams ist das eine Zäsur: Credits statt klarer Features, Convenience statt Austauschbarkeit, integrierte Infrastruktur statt Best-of-Breed-Stack. Und solange gleichzeitig Berichte über nicht deaktivierbares Tracking im Raum stehen, wird der Plattform-Shift nicht nur zur Preis- und Architekturfrage, sondern auch zur Vertrauensfrage.

Patai László

Patai László

Ich arbeite seit 1999 mit Open-Source-Systemen und seit 2006 speziell mit WordPress. Mein Fachgebiet ist die Entwicklung und der Betrieb von Websites mit hohem Traffic.

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